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Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Januar 2021

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    ||01|| Naturgärten - viel mehr als nur "Wildnis"
Naturgärten - viel mehr als nur Wildnis

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Naturgärten - viel mehr als nur Wildnis

Naturgärten - viel mehr als nur Wildnis

Naturgärten - viel mehr als nur Wildnis

Naturgärten - viel mehr als nur Wildnis

Naturgärten - viel mehr als nur Wildnis

Naturgärten - viel mehr als nur Wildnis

 

"Kies, Schotter und Co halten noch immer vermehrt Einzug in die Gärten. Hierdurch schwinden im direkten Umfeld des Menschen Lebensräume für Insekten, Vögel und Säugetiere in teils bedenklichem Ausmaß", so das Credo des Kreisverbandes Coburg für Gartenbau und Landespflege e. V. Um dieser Entwicklung etwas Einhalt zu gebieten, hat der Kreisverband im Jahr 2019 die Aktion Naturgarten ins Leben gerufen. Im abgelaufenen Gartenjahr wurden 16 Gärten von Mitglieder der Obst- und Gartenbauvereine zertifiziert. Die Bewertung der Gärten übernahmen Reiner Brückner, Barbara Lauterbach, Thomas Neder und Ute Schade.

Erfüllt werden mussten u.a. vier Kernkriterien: Hierzu zählen der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel und der Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger. Nicht erlaubt ist der Einsatz von Torf zur Bodenverbesserung. Essentiell ist zudem ein hohe ökologische Vielfalt oder Diversität im Garten. Als Lohn für ihre naturnahe Gartenbewirtschaftung erhielten die Gartenbesitzer eine Plakette Naturgarten und eine Urkunde, die vom 1. Vorsitzenden des Kreisverbandes, Landrat Sebastian Straubel unterzeichnet wurde.

Die Aktion soll auch im Jahr 2021 weitergeführt werden. Näheres hierzu wird noch bekannt gegeben.

Zu den ersten Gärten, die zertifiziert wurden, zählt der Hausgarten von Familie Mittelbach in Moggenbrunn. Zum Thema Naturgarten und den aktuellen Gartentrends haben sich Ingrid und Günther Mittelbach einige grundlegende Gedanken im Gespräch mit dem Geschäftsführer des Kreisverbandes Thomas Neder gemacht:

Hausgarten - "Quo vadis" ?

"Unserer Meinung nach gibt es in den Neubaugebieten kaum noch Hausgärten im üblichen Sinn. Die meisten Häuser sind von Rasenflächen und im Eingangsbereich von Steinwüsten umgeben. Der Rasen wird von Mährobotern permanent gepflegt und dabei auch noch der letzte Käfer vernichtet. Die Steine werden in der Nacht dauernd beleuchtet und so verschwindet im Laufe der Zeit alles Leben aus den Gärten. Außerdem heizen sich die Steine in der Sonne auf und tragen so zur Klimaerwärmung bei.

Durch die Zertifizierung "Naturgarten" sehen wir die Chance, dass sich mehr Gartenliebhaber mit diesem Thema befassen. Es muss vermittelt werden, dass ein Naturgarten keine Wildnis, sondern vor allem ein Bereich mit vielen Strukturen ist, die Leben schaffen und bewahren.

Vor ca. 30 Jahren übernahmen wir unseren Garten und wir stellten bald fest, dass die Bewirtschaftung nach herkömmlicher Weise nicht unser Ding war. Uns störten der Kunstdünger und die Chemie. Wir stellten auf Kompostwirtschaft um und verbannten alle Spritzmittel. Nach etlichen Rückschlägen machten wir nach einigen Jahren die Erfahrung, dass sich das Leben in unserem Garten zum Positiven verändert hatte. Es gab mehr und viele verschiedene Insekten und auch viel mehr Vögel als vorher. Die Geduld hatte sich also gelohnt.

Unser Garten ist zweigeteilt. Ein Gartenteil ist so angelegt, dass nur im Frühjahr die Stauden abgeschnitten werden und dann wird nicht mehr ins Beet eingegriffen. Es wird auch nicht gegossen. (Die Regenmenge lag im Garten Mittelbach im Jahr 2021 übrigens bei 560 l/qm). Vom Frühjahr bis zum Spätherbst blühen immer wieder andere Stauden. Der andere Teil umgibt mit Staudenbeeten und Hecken unser Haus. An Gartenzäunen und Gebäuden wachsen Efeu und wilder Wein. Alte Obstbäume, ein mächtiger Nussbaum schließen das Grundstück ein. Ein kleiner Naschgarten mit Himbeeren, Stachelbeeren usw., sowie ein kleines Gewächshaus sorgen im Sommer für frisches Obst und Gemüse. Ganz wichtig sind noch die vielen kleinen wilden Ecken.

Garten und Corona Krise

Durch die tägliche Beschäftigung im Garten sind mein Mann und ich abgelenkt und so lässt sich die Trennung von der Familie und den Freunden während der Pandemie leichter ertragen.

Im Winter freuen wir uns bei unseren täglichen Gängen durch den Garten über jede Blüte (Christrose, Schneeglöckchen usw.) und vor allem über die vielen Vögel an den Futterstellen. Darüber hinaus erfreuen wir uns besonders auch an den zahlreichen unterschiedlichen Grüntönen und an den alten Obstbäume mit ihren skurrilen Strukturen und ihren ganz eigenen Baumgesichtern.

Natürlich erwarten wir schon jetzt hoffnungsvoll den Frühling in unserem Garten. Endlich wieder länger draußen sein, im Strandkorb sitzen und den Vögeln und Insekten zuschauen - das hoffen wir bald wieder genießen zu können. Ab und zu etwas arbeiten und dann einfach auch mal genießen". Besonders Günther Mittelbach als leidenschaftlicher Hobbyfotograf freut sich auf das vielfältige dann wieder erwachende Leben in seinem Gartenreich.

Für junge Leute, die ihren (ersten) eigenen Garten anlegen wollen haben die beiden Gartenenthusiasten folgende Ratschläge: "Erst sollte man feststellen, wie viel Zeit man in den Garten investieren kann, denn wir haben gelernt, dass ein Garten jeden Tag doch ein gewisses Maß an Zuwendung braucht. Nicht nur im Frühjahr, sondern ganzjährig. Sich auf einen Schwerpunkt festlegen macht Sinn - ob Gemüse oder nur Salate und Kräuter oder Stauden und einjährige Sommerblumen. Nicht enttäuscht sein sollte man, wenn etwas nicht sofort gut gedeiht. Ratschläge von den Nachbarn annehmen und Angebote der Obst und Gartenbauvereine und des Kreisverbandes nutzen. Am meisten haben wir gelernt von den Blicken über den Gartenzaun( z. B. Tag der offenen Gartentür). Vor allem ist es unserer Meinung nach immens wichtig die nützlichen, "kostenlosen" und eifrigen Helfer wie Insekten, Igel und Vögel im Garten zu unterstützen".