obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Januar 2018

zurück
 
    ||02|| Geißfußpfropfen
Methode des Geißfußpfropfens Bild 1

Methode des Geißfußpfropfens Bild 2

Methode des Geißfußpfropfens Bild 3

Methode des Geißfußpfropfens Bild 4
 

Die Methode des Geißfußpfropfens ist eine der besten Methoden zur Verbindung zweier ungleicher Partner. Sie wird angewandt, wenn die Unterlage deutlich dicker als das Edelreis ist und z. B. eine Kopulation nicht mehr durchgeführt werden kann. Da sie unabhängig vom Lösen der Rinde praktiziert werden kann, eignet sie sie sich auch für Veredlungen im Spätwinter.

Das Geißfußpfropfen stellt relativ hohe Ansprüche an den Veredler. Die Methode gilt als Königsdisziplin der Veredlungsvarianten. Sie erfordert Geschicklichkeit im Umgang mit dem Veredlungsmesser

Im Gegensatz zum Pfropfen hinter die Rinde ist Geißfußpfropfen nicht abhängig vom Lösen der Rinde. Man kann die Variante des Geißfußpfropfens zum Umveredeln daher schon im Spätwinter anwenden, wenn die starken Fröste abgeklungen sind. In Obstbaumschulen wird dieses Verfahren zur winterlichen Handveredlung verwendet. Veredlungsreis und die Unterlage befinden sich dann beide noch in der absoluten Winterruhe.

Geißfußpfropfen ist sowohl in Bodennähe zum Erziehen eines neuen Baumes, als auch im Kronenbereich zum Umveredeln einer nicht befriedigenden Sorte geeignet. Im Gegensatz zur Kopulation sind beim klassischen Geißfußpfropfen zwei langgezogene, gleichlange Schnitte am Edelreis notwendig.

Der erste langgezogene Schnitt am Edelreis beginnt, wie von der Kopulation bekannt. Für den zweiten Schnitt wird das Edelreis etwas gedreht, so dass die beiden Schnitte keilförmig oder geißfußförmig im Winkel von etwa 45 bis 800 aufeinander zulaufen. Eine Knospe des Edelreises liegt idealerweise wiederum in halber Höhe der Schnittflächen auf der Rückseite des Keils.

In gleicher Weise schneidet man an der Seite der Unterlage oder des abgeworfenen Astes einen keilförmigen Ausschnitt heraus. Hierzu verwendet man, je nach eigenen Präferenzen, entweder eine stabile Kopulierhippe oder ein normales Kopuliermesser. Bevor man den ersten Schnitt ansetzt, orientiert man sich nochmals am Schnitt und Winkel des Edelreises.

Nachdem an der Unterlage ein keilförmiger Ausschnitt vorbereitet wurde, kann man das Edelreis in den Spalt einschieben. Das Kambium beider Partner soll möglichst genau aufeinander liegen. Das Edelreis wird nur soweit in den Spalt eingeschoben, dass die Ansatzstellen des Schnittes bogenförmig über der Pfropfkopfebene sichtbar sind. Im Kronenbereich kann man die Reiser mit 4 bis 6 Augen etwas länger lassen. Für bodennahe Veredlungen reichen etwa 3 Augen.

Verbinden kann man mit einem Veredlungsband oder Natur- bzw. Kunstbast. In allen Fällen wird der Veredlungskopf incl. Reis mit Veredlungswachs eingestrichen. Nach dem Anwachsen sollte das Bindematerial mit einem sauberen Längsschnitt durchtrennt werden, um Einschnürungen zu vermeiden.

Hinweis: Veredlungsreiser können noch bis Ende des Monats über die Gartenbauvereine bestellt werden.