obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Mai 2017

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    ||02|| Aromatischer Bärlauch - Ein Hauch von Auwald in naturnahen Gärten






 

(TN) Bärlauch kommt in der freien Natur oft in Laubwäldern mit Auwaldcharakter vor. Er lässt sich in naturnahen Gärten aber auch gezielt ansiedeln.

Ähnlich wie Winterling, Buschwindröschen, Waldwindröschen und Lerchensporn hat es der aromatisch duftende Bärlauch (Allium ursinum) jetzt eilig. In einem Wettlauf mit der Zeit geht es darum, das energiereiche Licht, das noch auf den Waldboden trifft, zu nutzen und in kürzester Zeit vom Austrieb bis zur Blüte und Samenbildung alle Entwicklungsstadien zu durchlaufen, bevor der dichte Laubschirm der Gehölze sich wieder komplett schließt und  es in die lange Sommerpause geht.

Oft zur Gewohnheit gewordene Gartenarbeiten wie Laubharken, Hacken und Bodenbearbeitungsmaßnahmen im Bereich der Gehölze wirken seinem Ausbreitungsdrang entgegen und verhindern eine dauerhafte Ansiedlung. Ein weiteres handicap für eine erfolgreiche Einbürgerung im Garten besteht dann, wenn die Wurzeln alter Gehölzbestände bis an die Oberfläche mattenartig verflochten sind und sich keine neue Humusauflage bilden konnte. Hier kann man versuchen, mit einer 10 bis 20 cm hohen Auflage aus Rindenkompost, Lauberde oder Kompost passable Lebensbedingungen zu schaffen. Bietet sich die Möglichkeit an, im Zuge von Laubarbeiten im Herbst Mischlaub  zu bekommen, sei es aus der Nachbarschaft oder von kommunalen naturnahen Parks, sollte man ruhig zugreifen und für eine lockere etwa 5-7 cm hohe Laubdecke unter den Sträuchern sorgen. Auch konventionelle Staudenpflanzen lassen sich auf diese Weise gut „abmulchen“. Ganz nebenbei beimpft man hierdurch seinen Garten oft mit Samen der grazilen weißen Sternmiere (Stellaria holostea) oder des gelben Frühlings-Scharbockskrauts (Vicaria verna).

Der Bärlauch ist aber nicht nur ein hübsch blühender Frühlingsgeophyt für den Gehölzrand im Garten, sondern auch eine würzige Wildpflanze für die Küche. Botanisch ist er mit der Zwiebel, dem Knoblauch und dem Schnittlauch verwandt. Der englische Name „bears garlic“ soll daher kommen, dass Bären nach dem Winterschlaf mit Vorliebe die Blätter der auch als Waldknoblauch bezeichneten Staude fressen. Die weiße Doldenblüte im April/ Mai markiert den Höhepunkt der Entwicklung. Mit der Blüte endet auch die Erntezeit der Blätter. Ende Mai ist vom ganzen Spektakel schon fast nichts mehr zu sehen. Die Pflanze zieht als typischer Frühlingsgeophyt dann schnell wieder ein.

Bärlauch war schon den Kelten und Germanen als Heil- und Nutzpflanze bestens bekannt. Vielfach wurden Überreste in der Nähe bis zu 5000 Jahre alter Siedlungen gefunden. Typisch für den Bärlauch sind die sog. Lauchöle. Auch der Gehalt an Schwefel ist im Vergleich zum Knoblauch sehr hoch.

Als Gewürz-, Gemüse- und Heilpflanze erlebt der Bärlauch seit einigen Jahren wieder eine Renaissance. Die Pflanze ist zwar im Ganzen essbar, doch werden vor allem die Blätter als Gewürz oder Gemüse in der Frühjahrsküche verwendet. Besonders roh, z.B. kleingeschnitten unter Salate etc. gemischt, bleibt der hohe Vitamin C Gehalt und die wertvollen Schwefelverbindungen erhalten. Sehr beliebt ist momentan würzige Bärlauchpesto, das man leicht selbst herstellen kann. Vorsicht beim Sammeln in der freien Natur: Die Blätter können mit denen von Maiglöckchen, Aronstab oder Herbstzeitlose verwechselt werden, von denen alle giftig sind.
Je nach Standortsituation sind Wildstauden wie Kleines Immergrün (Vinca minor), Maiglöckchen (Convallaria majalis), Echte Sternmiere (Stellaria holostea), Waldmeister (Galium odoratum) oder Goldnessel (Lamium galeobdolon) gute Blütenpartner.

Zwiebeln oder Rhizome der genannten Arten liefert der Fachhandel. Sie können in größeren Gruppen in die Mulmschicht eingebracht werden. Die alte Regel, dreimal so tief  zu pflanzen wie die Zwiebel, bzw. das Rhizom hoch ist, gilt auch hier.