obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Februar 2017

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    ||02|| Geißfußpfropfen








 

(TN)Wem es jetzt schon in den Fingern „juckt“ und die eine oder andere Veredlung versuchen möchte, kann es schon jetzt mit der Methode des Geißfußpfropfens versuchen.

Die Methode des  Geißfußpfropfens erfordert Geschicklichkeit  im Umgang mit dem Veredlungsmesser und eine gute Schnittführung. Sie wird angewandt, wenn die Unterlage deutlich dicker als das Edelreis und z. B. eine Kopulation nicht  mehr durchgeführt werden kann.
 
Im Gegensatz zum Pfropfen hinter die Rinde, ist Geißfußpfropfen unabhängig vom Lösen der Rinde. Man kann die Variante des Geißfußpfropfens daher schon im Spätwinter anwenden, wenn die starken Fröste abgeklungen sind. Dies kann im Vergleich zu den anderen Pfropfarten ein großer Vorteil sein.

Geißfußpfropfen ist sowohl in Bodennähe zum Erziehen eines neuen Baumes, als auch im Kronenbereich zum Umveredeln einer nicht befriedigenden Sorte geeignet.

Im Gegensatz zur Kopulation sind beim klassischen Geißfußpfropfen zwei langgezogene, gleichlange Schnitte am Edelreis notwendig.

Der erste langgezogene Schnitt am Edelreis beginnt, wie von der Kopulation bekannt. Für den zweiten Schnitt wird das Edelreis etwas gedreht, so dass die beiden Schnitte keilförmig oder geißfußförmig im Winkel von etwa 45 bis 80 0 aufeinander zulaufen. Eine Knospe des Edelreises liegt idealerweise wiederum in halber Höhe der Schnittflächen auf der Rückseite des Keils.

In gleicher Weise schneidet man an der Seite der Unterlage oder des abgeworfenen Astes einen keilförmigen Ausschnitt heraus. Hierzu verwendet man, je nach eigenen Präferenzen, entweder eine stabile Kopulierhippe oder ein normales Kopuliermesser.

Bevor man den ersten Schnitt ansetzt, orientiert man sich nochmals am Schnitt und Winkel des Edelreises.

Nachdem an der Unterlage ein keilförmiger Ausschnitt vorbereitet wurde, kann man das Edelreis in den Spalt einschieben. Das Kambium beider Partner soll möglichst genau aufeinander liegen. Das Edelreis wird nur soweit in den Spalt eingeschoben, dass die Ansatzstellen des Schnittes bogenförmig über der Pfropfkopfebene sichtbar sind. 

Im Kronenbereich kann man die Reiser mit 4 bis 6 Augen etwas länger lassen. Für bodennahe Veredlungen reichen etwa 3 Augen.

Verbinden
Sitzt das Reis fest hinter der Rinde, wird es verbunden. Sehr praktisch und einfach zu handhaben ist ein  Veredlungsband. Es geht auch einfaches Thesakreppband Wird Bast verwendet, muss es nach dem Anwachsen rechtzeitig aufgeschnitten werden. Andernfalls stranguliert er den Veredlungskopf und wächst schnell ein. Beim Einsatz eines Veredlungsbandes reicht es, wenn es nach einigen Monaten zunächst aufgeschnitten und später dann vorsichtig entfernt wird.

Vorteilhaft ist es, wenn nicht nur der Veredlungskopf und die Schnittstellen des Reises, sondern auch das Veredlungsreis auf ganzer Länge hauchdünn mit Veredlungswachs (z.B. Maywax) verstrichen werden. Dies  reduziert die Verdunstung auf ein Minimum und beugt dem Austrocknen des Reises vor. Die eingestrichenen Knospen können den Wachsmantel ohne weiteres durchbrechen.