obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte September 2016

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    ||01|| Zwetschgenzeit
















 

(Tn) Wie so vieles kommt die Zwetschge aus dem fernen Osten. Dort entstand sie aus einer Kreuzung zwischen der Schlehe und der Kirschpflaume. Man vermutet, dass sie von Kreuzfahrern von Syrien nach Griechenland mitgebracht wurde.

Zwetschgen begleiten fast jeden von uns seit frühester Kindheit. Sei es als frische Munter- und Launemacher direkt vom Baum, als leckere Zwetschgendatschi, raffinierte Chutneys oder als gesundes Trockenobst, wenn die Erntezeit schon lange vorbei ist. Vor rund 100 Jahren standen in vielen Haushalten alltäglich Zwetschgenkonfitüre oder eingeweckte Zwetschgen auf dem Tisch. Zwetschen enthalten ein gesundes Gesamtpaket aus Mineralstoffen und Spurenelementen, auch wenn sie bei den Vitaminen keine Spitzenwerte erreichen.

Durch eine geschickte Kombination unterschiedlich reifender Sorten lässt sich das Erntefenster von Ende Juni bis in den Oktober hinein offen halten. Bereits Ende Juni/ Anfang Juli reift in milden Lagen die sehr frühe Sorte `Ruth Gerstetter`. Haupterntezeit für viele Sorten ist aber der Monat August und September. `Presenta`, eine Spätzwetschge mit bis zu 35 mm großen Früchten, kann man auch noch Ende September bis Mitte Oktober ernten. Im normalen Haushaltskühlschrank lassen sich Zwetschgen etwa drei Tage lagern. Wer sie länger aufbewahren möchte, verwendet am besten noch nicht ganz reife Früchte. Bei 0 bis 1 Grad lassen sich frühe Sorten etwa zwei Wochen, späte und festfleischige Sorten auch ein ganzes Stück länger lagern. Entsteinte und aufgeschnittene Früchte kann man für einen späteren Kuchenbelag auch gut einfrieren.

Who is who?
Innerhalb der sog. Sammelart Prunus domestica unterscheidet man zwischen Zwetschgen, Pflaumen, Renekloden und  Mirabellen. Sie unterscheiden sich in ihrem Aussehen teils erheblich, werden aber der gleichen Art zugeordnet.

Typisch für Zwetschgen ist die längliche Frucht mit einer deutlichen Naht. Sie sind länger als breit, festfleischig und in der Regel blau gefärbt und zum Backen bestens geeignet, da sie ihre Form behalten. Auch zum Trocknen eignen sie sich vorzüglich. Der weiße, feine Belag auf der Frucht ist ein effektiver Schutz der Pflanze vor Austrocknung. Dieser Duftfilm sollte erst kurz vor der Verarbeitung abgewaschen werden.

Pflaumen sind meist größer und rundlicher als Zwetschgen. Die Früchte der Pflaumen enden oft stumpf abgerundet. Es gibt sie in gelb, rot, violett und blau. Ihr Fleisch ist meist sehr weich, saftig  und weniger zuckerhaltig. Die Pflaume ist prädestiniert für den Frischverzehr, für Kompott oder zum Einmachen. Für Kuchenbeläge sind sie etwas zu saftig, was wohl auch zu ihrer eingeschränkten Verbreitung beigetragen hat. Pflaumen sorgen für wunderbare Fruchtfarben im Garten. Gelb leuchtet z. B. die robuste `Ontario Pflaume`, rotviolett die wohlschmeckende `Opal` und schwarzblau die sehr saftige `Magna Glauca`.

Renekloden sind besonders aromatische Pflaumen. Ihre Farbe variiert von grün, gelb bis gelbrot. Ihre Form ist meist rund. Das Fleisch ist sehr weich und löst oft schlecht vom Stein. Fruchtende Renekloden waren in früheren Zeiten willkommene Treffpunkte im Garten. Schon seit über 500 Jahren ist z. B. die `Große Grüne Reneklode` bekannt.

Klassische Mirabellen hingegen sind in etwa so groß wie eine Kirsche, aber eher rund. Die Fruchtfarbe variiert von gelb bis rötlich angehaucht. Ihr Fleisch ist fest, löst gut vom Stein, schmeckt süß und besitzt ein typisches Mirabellenaroma mit nur wenig Säure. Auch heute noch wird das edle Aroma der seit dem 15. Jahrhundert bekannten Sorte `Mirabelle von Nancy` sehr geschätzt. Um größere Früchte zu erzielen, wird seitdem kräftig gezüchtet. Als Beispiel seien z. B. die aktuellen Mirabellensorten `Bellamira` und `Miragrande` erwähnt. Sie entstanden beide durch Kreuzungen mit Zwetschgen und sind etwa doppelt so groß wie die kleine `Mirabelle von Nancy`
Mirabellen sind an weniger günstigen Standorten übrigens eine interessante Alternative zum empfindlichen Pfirsich und der Aprikose. Durch die Verwendung schwächer wachsender Unterlagen in Kombination mit der Spindelerziehung kommen sie früh in die Ertragsphase, was bei der früher üblichen Hochstammerziehung auf stark wachsenden Unterlagen nicht der Fall war.

Standort richtig wählen
Optimal für den Anbau von Zwetschgen und Co sind durchlässige Böden mit ausreichender Nährstoff- und Wassernachlieferung. Stauende Nässe führt zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Krankheiten wie Bakterienbrand, Krötenhautkrankheit oder Bleiglanz. Stauende Schichten müssen vor der Pflanzung durchbrochen werden, so die Kultur langfristig erfolgreich sein soll. Flachgründe und kiesige Böden hingegen können in heißen Sommern oft nicht die notwendige Wassermenge nachliefern und müssen für eine gute Fruchtqualität bewässert werden. Spätsorten reifen in ungünstigen Nordostlagen nur schlecht aus, sie benötigen einen warmen Standort.

Zwetschgen sind durch starke Winterfröste und durch Spätfröste gefährdet, die der frühen Blüte zusetzen können. Ideal sind daher leichte Hanglagen, wo bei Frosteinbrüchen die Kaltluft abfließen kann. Extreme Südlagen können dazu führen, dass es zu einem sehr frühen Austrieb und zu Hitzeschäden kommt. In Nordostlagen besteht die Gefahr, dass Spätsorten nicht mehr rechtzeitig ausreifen.