obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Oktober 2016

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    ||05|| "Namenstaufe" in den Eichaer Obstgärten

Über den guten Besuch der Obstsortenwanderung freuten sich (von links) Peter Janson, Thomas Neder, Wolfgang Subal (Referent), Reiner Brückner und Siegfried Wittmann










Der korrekte Sortenname eines alten Obstbaumes im eigenen Garten oder in der angrenzenden Feldflur ist passionierten Obstfreunden fast schon so wichtig, wie der eines eigenen Familienmitgliedes. Groß war deshalb der Andrang bei der Sortenbestimmung.
 

(Tn) Der korrekte Sortenname eines alten Obstbaumes im eigenen Garten oder in der angrenzenden Feldflur ist passionierten Obstfreunden fast schon so wichtig, wie der eines eigenen Familienmitgliedes. Dementsprechend groß war der Andrang bei der Obstsortenwanderung, zu der der Kreisverband Coburg für Gartenbau und Landespflege e. V. nach Eicha eingeladen hatte.

Nachdem die diesjährige Witterung den Ernteverlauf teilweise komplett auf den Kopf gestellt hatte, musste man etwas improvisieren und die schon früh gereiften Früchte rechtzeitig von den Bäumen holen und sichern. Dies erledigte Beiratsmitglied Peter Janson schon Wochen vor der Veranstaltung mit großer Akribie und tischte seine Ernte im Eichaer Sportheim auf. Pomologe Wolfgang Subal erwies sich als  Meister seines Faches und bestimmte mit profundem Wissen und langjähriger Erfahrung die allermeisten der mitgebrachten Sorten. Länge und Breite des Stils, Stilgrube, Kelch, Schalenbeschaffenheit, Form, Grund-  und Deckfarbe allesamt verräterische Spuren, die dem Apfeldetektiv auf dem Weg zu seinem Ziel  näher bringen. Helfen die vielen äußeren Merkmale nicht weiter, greift er zum Messer und geht der Sache auf den Kern. Jeder Apfel weist hier leichte Nuancen in der Beschaffenheit seiner Kerne auf. An Stelle einer Briefmarkensammlung haben ausgefuchste Pomologen ganze Kataloge mit Vergleichskernen verschiedenster Sorten zu Hause. Auch Größe und Ausformung des Kerngehäuses sprechen für den Fachmann Bände. Hilft auch das nicht,  wird die Sorte mit nach Hause genommen und in Ruhe nochmals von allen Seiten betrachtet, geprüft und befragt, denn Pomologen sind ehrgeizig und probieren alles Machbare bevor sie wirklich kapitulieren und die Namenstaufe anderen überlassen.

Unter den ausgestellten Apfel- und Birnenschätzen  befand sich z. B. die langlebige Sußbirne, die mächtige Bäume in der Feldflur bildet und früher eine hochbegehrte Mostfrucht war. Durch ihre sehr lange Haltbarkeit bis Januar/Februar besticht die Winterpfalzgrafenbirne, die auch in den Eichaer Obstgärten  anzutreffen ist. Auch unter den Apfelsorten befanden sich einige Kostbarkeiten wie der Grüne Stettiner, eine uralte Wirtschaftssorte mit hoher Lagerfähigkeit, die früher in Zeiten ohne kontrollierte Kühllager eine große Bedeutung hatte. Wegen ähnlicher Eigenschaften wurde auch der Weiße Winterglockenapfel sehr geschätzt.
„Angesprochen“, wie man in der Fachsprache der Pomologen zu sagen pflegt, wurde ebenso die Sorte Signe Tillisch, eine schmackhafte edle Apfelsorte Sorte, die wegen ihres milden Geschmacks auch als „Damenapfel“ bekannt war. Nach der allgemeinen Sortenbesprechung wurden noch zahlreiche Einzelsorten aus Privatgärten bestimmt.
Geschäftsführer Thomas Neder bedankte sich im Namen von 1. Vorsitzenden, Landrat Michael Busch bei den Eichaer Gartenfreunde für ihre Mithilfe und bei der Regierung von Oberfranken für ihre Unterstützung im Rahmen der Aktion Biodiversität. Dem Dank schlossen sich 2. Vorsitzender Reiner Brückner und Ehrenvorsitzender Siegfried Wittmann an.

Hinweis:
Der Obstlehrgarten ist noch bis Ende Oktober geöffnet und geht dann bis Ende März in die Winterpause. Sortenliebhaber können sich schon jetzt die Reiseraktion des Verbandes vormerken. Edelreiser können von Dezember bis Mitte Januar über die Vorsitzenden der Gartenbauvereine beim Kreisverband bestellt werden.