obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte November 2016

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    ||01|| Feigen noch im November





 

(Tn) Mit den richtigen Sorten, einem günstigem Standort und einer guten Überwinterungsmögichkeit wie z. B. einem kalten Wintergarten oder einer verglasten Loggia kann man auch jetzt im November noch die letzten nachreifenden Feigen genießen.

Feigen sind Kinder der Sonne. Ideal sind windgeschützte, nach Süden exponierte Standorte. In besonders begünstigten Lagen, wie in windgeschützten Innenhöfen oder an warmen Mauerspalieren mit Winterschutz, ist eine Freilandpflanzung möglich. Bevorzugt wird ein humoser Boden, der nicht zur Vernässung neigen sollte. Haben sich die verwöhnten Sonnenkinder am Standort etabliert, vertragen robuste Sorten kurzzeitig bis zu – 17°C. Es macht Sinn, die Feige im Winter mit Schilfmatten, dickem Vlies, Nadelholzzweigen oder einer Laubpackung zu schützen. In harten Wintern gefriert sie oft bis zum Boden zurück, treibt dann aber meist willig aus der Basis mehrjähriger, kräftiger Triebe wieder aus. Frostgefährdet sind vor allem die noch dünnen, ein- bis zweijährigen Triebe.

Kultur im Container
Alternativ zum Auspflanzen bietet sich die Kultur im Container an. Da Feigen üppig wachsen, werden Containergrößen von 50 l und mehr schnell erreicht. Beginnend mit ca. 15 l kann man alle drei Jahre mit etwa 30% Volumen mehr rechnen. Die Kübelpflanze sollte möglichst lange an der frischen Luft bleiben dürfen. Leichte Fröste werden vertragen. Ein temporäres Rücken der Pflanzen an die Hauswand bei den ersten Kälteeinbrüchen kann den Frischluftaufenthalt am Saisonende verlängern. Überwintern lässt sich die Pflanze kalt, aber frostfrei. Man kann sie aber auch dunkel und kalt durch die kalte Jahreszeit bringen. Stattliche Exemplare lassen sich bei Platzmangel notfalls auch liegend überwintern.

Zwei Ernteschübe
Wilde Feigen sind auf Fremdbestäubung durch die Gallwespenart Blastophaga angewiesen, um fertile Samen zu bilden. Kultursorten sind selbstfruchtbar. Es macht daher Sinn, nördlich der Alpen nur solche Sorten zu kultivieren, wenn man Früchte ernten möchte. Die meisten Sorten fruchten an den im letzten Jahr gebildeten Trieben – je nach Sorte ab August bis September. Je mehr dieser Triebe den Winter überstehen, desto reicher wird die Ernte ausfallen. Die Fruchtembryos überwintern in den Blattachseln. Die erst an den diesjährigen Trieben im Frühjahr angesetzten Früchte reifen nur in langen Sommern und an sehr guten Standorten spät im gleichen Jahr aus. Oft kommen sie erst noch im Winterquartier zur Reife.  Die Früchte reifen sehr ungleichmäßig. Sie schmecken erst dann gut, wenn das Fruchtfleisch unter Fingerdruck sanft nachgibt und sich erste feine Risse zeigen.

Erziehung als Busch
Gepflanzt wird am besten im Frühjahr nach Ende der strengen Fröste. Gut geeignet sind zweijährige Pflanzen mit bereits drei bis vier Seitentrieben, die in etwa 50 cm Höhe beginnen. Sie werden wie der Mitteltrieb um etwa die Hälfte zurückgeschnitten um die Verzweigung zu fördern. Für die Erziehung eines lockeren Busches reichen neben dem Mitteltrieb etwa fünf Seitentriebe aus. Ein Schnitt wird vor allem dann notwendig, wenn die Pflanzen zu groß geworden sind und von innen heraus verkahlen. Kalte Winter erledigen die Schnittarbeiten fast von selbst. Hier wird man sich auf das Entfernen abgestorbener Triebe beschränken.
Steht die Pflanze gut im Wuchs, geht es darum, zu dicht stehende, sich gegenseitig beschattende oder nach innen wachsende Triebe zu entfernen. Diese können entweder ganz an der Basis herausgeschnitten, auf einen kurzen Seitentrieb abgesetzt oder auf ein Auge bzw. einen Stummel von 5 bis 8 cm zurückgeschnitten werden. Vergabelungen der Triebe kann man auflösen, indem man einen der Konkurrenten ganz entfernt oder auf einen Stummel zurückschneidet. Letzteres kann man versuchen, um neue Austriebe zu forcieren.

Hochstämmchen in Spindelform
Für Balkon der Terrasse werden Feigen oft als fertiges Hochstämmchen erworben. Man kann hier die Kronenform mit einigen wenigen Schnitten auch spindelartig aufbauen und kompakt halten, was dem Einräumen in das oft beengte Überwinterungsquartier entgegenkommt Die Seitentriebe sitzen locker um den Mitteltrieb garniert, schräg nach oben weisend. Zum Aufbau einer spindelartigen Form werden längere Seitenäste auf weiter innen wachsende, flachere junge Triebe abgesetzt oder entsprechend eingekürzt. Vergabelungen an den Trieben löst man auf, indem man den steileren Trieb entfernt und den flacheren bzw. passenderen belässt.
Interessante Sorten für unsere Klimaregion sind z. B. `Violetta`, `Morena`  oder `Peretta`.