obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Juli 2016

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    ||04|| Spinnmilben biologisch bekämpfen





 

(Tn) Spinnmilben zählen zu den gefürchtesten Schädlingen an Zimmerpflanzen auf der Fensterbank, oder bei Gemüsekulturen im Gewächshaus. Gerne werden dort z. B. Gurken und Melonen befallen.

Spinnmilben sind nur etwa 0,5 cm groß und sind hellbraun bis rötlich gefärbt. Auf dem Rücken tragen sie zwei dunkle Flecken. Winterformen sind oft rötlich. Mit guten Augen kann man sie auch so erkennten, ansonsten liefert eine Lupe gute Dienste.

Der Schädling sitzt anfangs meist auf der Blattunterseite, wo er durch das Aussaugen der Zellen für Lufteintritt sorgt und eine gelb-weiße Sprenkelung verursacht. Durch das Ausscheiden von Toxinen wird der Pflanzensaft verflüssigt und die Zelle stirbt wenig später ab. Ein Weibchen legt etwa 100 bis 200 Eier, aus denen sich über verschiedene Larvenstadien wieder die erwachsenen Tiere entwickeln. Pro Jahr sind etwa 7 Generationen möglich, was zu einer explosionsartigen Vermehrungsrate führen kann. Spinnmilben lieben trockene, heiße Orte mit einer niedrigen Luftfeuchte.
Eine chemische Bekämpfung ist oft sehr schwierig, da vielfache Resistenzen des Schädlings vorliegen. Eine natürliche Möglichkeit Spinnmilben zu bekämpfen ist der Einsatz von Raubmilben, den natürlichen Gegenspielern von Spinnmilben. Dieser Einsatz sollte aber schon bei den ersten Befallsanzeichen erfolgen. Alternativ kann man in Gewächshäusern oder Wintergärten Raubmilben auch vorbeugend ausbringen. Optimal für die Vermehrung von Raubmilben sind 25 Grad Temperatur und eine Luftfeuchte von etwa 75 %. Temperaturen unter 15 Grad oder über 35 Grad bringen die Vermehrungsrate des Nützlings deutlich ins Stocken. Eine Kombination aus Nützlingseinsatz und chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen wäre kontraproduktiv. Raubmilben sind in etwa so groß wie Spinnmilben. Die kugeligen, schnell beweglichen Körper sind rötlich gefärbt. Raubmilben stechen alle Stadien des Schädlings an – Eier, Larven und erwachsene Tiere. Kein Stadium ist sicher vor ihnen. Im Durchschnitt verzehrt der Nützling 5 erwachsene Spinnmilben oder 20 Eier pro Tag. Bei Nahrungsmangel kann es auch zu Kannibalismus kommen.

Um die Vermehrung des Nützlings anzukurbeln, macht es Sinn für eine höhere Luftfeuchtigkeit durch Besprühen an heißen Tagen zu sorgen. Befallene Pflanzen kann man eng zusammenrücken. Den Erfolg des Einsatzes sollte man dadurch überprüfen können, dass nach 1-2 Wochen aktive Raubmilben sichtbar und die Pflanzen nach 3-4 Wochen schädlingsfrei sind.

Die Nützlinge können über Nützlingsfirmen bezogen werden. Sie werden in kleinen Behältern geliefert und sitzen auf Trägermaterialien wie Sägespänen oder Vermiculite. Zwei Drittel des Inhalts verteilt man gleichmäßig über die Spinnmilben Herde. Ein Drittel im Gipfelbereich der benachbarten Pflanzen. Die leeren Behälter sollten noch zwei bis drei Tage in der Kultur verbleiben, damit auch der Rest Raubmilben sich auf den Weg machen können.
Fotos: Thomas Neder