obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Januar 2016

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    ||05|| Wein schon jetzt schneiden








Ein „scharfer Schnitt“ legt bei der Kordonerziehung des Weines die Grundlage für eine gute Ernte im nächsten Jahr. Beim Kordonschnitt verbleiben zunächst nur 2 Augen des letztjährigen Holzes. Hieraus entwickeln sich die neuen Triebe mit den Trauben im unteren Drittel. Der Zapfen sollte hierbei immer möglichst nahe an den Kordonarm zurückgebaut werden.

 

(TN) Wer den Start in neue Gartensaison nicht mehr erwarten mag, kann schon jetzt zur Schere greifen. Weinstöcke können schon jetzt geschnitten werden.

Weinreben zählen zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Sie sind selbstfruchtbar und können daher auch einzeln gepflanzt werden.  Weinreben vereinen Nutzen und Zierde - vor allem im Herbst. Auch für das Dorfbild sind fachmännisch gezogene Rebstöcke an der Hauswand ein großer Gewinn.

Für die Kultur an einer nach Süden ausgerichteten Hausfassade eignet sich der Anbau als sog. Kordon. Bei der Kordonerziehung  sind die waagerechten Kordonarme mehrjährig. Diese laufen nach links und rechts - manchmal sogar in mehreren Etagen in einem Abstand von ca. 1,2 m übereinander. Bereits jetzt können die senkrechten Triebe, die auf dem Kordonarm entstanden sind, auf zwei Augen zurückgeschnitten werden. Die neuen Austriebe der Zapfen liefern die neuen Tragreben im kommenden Sommer. Geschnitten wird schräg über dem Auge. Die Schräge weist hierbei  am besten von der darunter sitzenden Knospe weg. So tropft eventuell austretender Saft nicht direkt auf das Auge. Der Schnittabstand beträgt mindestens die Dicke des Triebes. Es darf  aber auch ruhig etwas mehr sein. Der junge angeschnittene Zapfen sollte immer möglichst nah am alten Holz entstehen, sonst entstehen im Laufe der Zeit geweihartige Verzweigungen.  Der Abstand der  Zapfen untereinander beträgt ca. 25 cm. Dies entspricht in etwa einer Scherenlänge.

Wer ein Weinspalier an der Hauswand in Form eine Kordons mit zwei Armen  - einer nach links, einer nach rechts - erziehen möchte und im Frühjahr eine junge Rebe pflanzt, kann wie folgt vorgehen:

Kordonerziehung „step by step“
Im ersten Jahr belässt man der Rebe nur den Haupttrieb. Seiten- oder Geiztriebe, die sich aus den Blattachseln entwickeln, werden bis in die Höhe der angedachten Stammhöhe sukzessive mit der Hand ausgebrochen. Im zweiten Jahr wird beim Winterschnitt  der Haupttrieb auf die gewünschte Stammhöhe von 0,6 bis 1,0 m zuzüglich 20 cm zurückgeschnitten. Möchte man einen besonders hohen Stamm für eine Hauswand erziehen, kann ein weiteres Jahr zum Aufbau notwendig werden.  Der angeschnittene Trieb sollte ca. 10 mm stark sein. Ist er zu schwach, ist es sinnvoll, nochmals auf ein bis zwei Augen zurückzuschneiden. Je nach Wuchsleistung belässt man dem Haupttrieb die oberen zwei bis fünf Seitentriebe. Der Rest am Stamm wird entfernt. Die belassenen Triebe bindet man locker am Pflanzpfahl an. Im dritten Jahr wird es Zeit, mit der Garnierung des Drahtes bzw. Spalieres zu beginnen. Im Frühjahr, wenn die Ruten etwas flexibler werden, biegt  man bei wüchsigen Sorten  z. B. einen kräftigen Trieb nach links und einen nach rechts und fixiert die beiden  horizontal am Draht. Der Rest der Triebe wird entfernt. Ideal zum Biegen ist feuchtes Wetter. Ist der Weinstock nur schwach gewachsen, macht es Sinn, zunächst nur eine Seite mit einem Kordonarm zu belegen und die nächste Seite erst im nächsten Jahr zu garnieren, um den jungen Stock nicht zu stark zu belasten.

Empfehlenswerte Sorten
Im naturnahen Anbau sollten gezielt die gegen den gefürchteten Falschen und Echten Mehltau resistenten Sorten angebaut werden. Die Auswahl ist mittlerweile verführerisch.
Zu den Klassikern zählen z. B. `Birstaler Muskat` und `Muscat Bleu`. Interessante kernlose Sorten sind `Himrod`, `Romulus`,  `New York (Lakemont)`, `Venus` und `Kischmisch`. Zu den großfruchtigen Sorten zählen z. B.  `Arkadia`, `Kodrianka` und `Isabella Blau`.

Schnittkurs
Mehr zum Thema Schnitt vermittelt ein Schnittkurs des Kreisverbandes. Die Theorie startet am Donnerstag, 18. Februar um 19.00 Uhr im Haarther Bierkeller in Haarth. Um eine kurze Voranmeldung bei der Geschäftsstelle des Kreisverbandes am LRA  wird gebeten.