obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Februar 2016

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    ||06|| Auftakt der Veredlungssaison
















 

(TN) Der Kopulationsschnitt ist Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Veredlungsvarianten und daher besonders hilfreich.

Die Kopulation selbst ermöglicht es, unabhängig vom Lösen der Rinde, z. B. auch schon jetzt zu Beginn des Frühlings zu veredeln. Beim Kopulieren müssen Edelreis und Unterlage gleich stark sein. Im Hausgarten kann z. B. auf Wildlinge veredelt werden, die von selbst aufgegangen sind. Alternativ lassen sich auch von Obstbaumschulen Unterlagen in kleineren Stückzahle beziehen. Ein langer, glattgezogener Schnitt an Edelreis und Unterlage sorgt dafür, dass an beiden Partnern eine möglichst große Fläche, des durch den Schnitt freigelegten Kambiums passend zur Deckung gebracht wird.  Bevor man sich an die kostenbaren Edelreiser wagt, empfiehlt es sich, diesen Schnitt vorab mit weichen Weidenreisern zu üben bis er Schnitt gut von der Hand geht.

In der Regel kopuliert man bei Stein- und Kernobst  etwa 15 bis 30 cm über dem Boden um einen neuen Baum zu ziehen. Liegt die Veredlungsstelle zu tief, kann es durch Abmulchen etc. dazu kommen, dass die Veredlungsstelle unter der Erde liegt. Die Edelsorte „macht sich dann oft frei“, bildet selbst Wurzeln und eliminiert die Wuchsbremse der Unterlage. Die Höhe definiert sich durch die Stärke der beiden Partner mehr oder weniger von selbst. Oft wird diese Methode auch nach einer missglückten Okulation eingesetzt. Bei Johannis- und Stachelbeeren wird gerne im Kronenbereich kopuliert, um einen neuen Hochstamm zu ziehen.

Rechtshänder umfassen das Reis mit der linken Hand. Die Basis des Reises ragt dabei nach vorne, die Spitze nach hinten. Das Messer - eine leichte Hippe oder ein glattes Kopulationsmesser -  wird fast parallel zum Veredlungsreis angesetzt. Man beginnt idealerweise so, dass auf der Seite, die dem Kopulationsschnitt gegenüber liegt, eine Knospe in der Mitte liegt.

Der gleiche Schnitt erfolgt an Edelreis und Unterlage. Er ist etwa zwei bis fünf cm lang. Beide Partner sollten sich deckungsgleich aufeinander legen lassen. Zumindest an einer Seite müssen  sich die beiden Kambiumschichten genau passend zur Deckung bringen lassen. Zu viele Kompromisse sollte man aber nicht eingehen. Im Zweifelsfall setzt man lieber einen neuen Schnitt an.

Das angeschnittene Reis kürzt man anschließend mit der Schere ein. Es sollte ca. 3 bis 5 Augen aufweisen.

Ideal zum Verbinden ist Medifilm Veredlungsband. Unter leichtem Zug durchgeführt, vulkanisiert die hauchdünne Folie zu einer homogenen wasserundurchlässigen stabilen Einheit. Das Verstreichen mit Veredlungswachs entfällt. Man beginnt am besten etwas unterhalb der Schnittfläche und zieht die Folie spiralförmig nach oben bis knapp oberhalb des oberen Schnitts. Alternativ kann man auch mit Fleico Gummiband verbinden, das in engen Bahnen dachziegelartig von unten nach oben geführt wird. Es zerfällt durch die einwirkende Sonnenstrahlung im Freiland von selbst. Das Verbinden funktioniert nat. auch mit Natur- oder Kunstbast.

Beim Einsatz von Folie oder Gummiband kann man das nicht verbundene obere Teil des Reises hauchdünn z. B. mit Maywax verstreichen. Die Verdunstung wird hierdurch effektiv unterbunden. Die treibenden Augen durchbrechen den dünnen Auftrag ohne große Probleme. Verbindet man mit Bast, sollte man  auch den Bereich der Schnittfläche gut verstreichen. Da Bast schnell einschnürt, muss der Verband nach dem Anwachsen vorsichtig mit einer Rasierklinge durchtrennt werden.

Kopulation mit Gegenzunge
Die Variante des Kopulierens mit Gegenzunge sorgt für einen besonders stabilen Sitz des veredelten Reises. Ein nachteiliges Verrutschen beim Verbinden kann hierdurch vermieden werden. Auch die kambiale Kontaktfläche der beiden Partner wird durch den zusätzlichen Schnitt stark erhöht.

Der Grundschnitt ist an beiden Veredlungspartnern gleich. Der Gegenzungenschnitt  beginnt beim Edelreis im unteren Drittel des bereits durchgeführten Grundschnittes – etwa parallel zur Reisachse. Je nach Reis ist er etwa 1 – 1,5 cm lang. Auf gleiche Art und Weise wird mit der Unterlage verfahren. Der Schnitt beginnt allerdings im oberen Drittel.

Passen die Schnitte, lassen sich Edelreis und Unterlage vorsichtig ineinander schieben und problemlos verbinden. Die weitere Behandlung erfolgt wie vorher beschrieben.

Terminhinweis:
Am Donnerstag, 14. April findet um 17:30 Uhr ein Veredlungskurs am Obstlehrgarten des Kreisverbandes Coburg für Gartenbau und Landespflege e.V.  statt. Anmeldungen sind bei der Geschäftsstelle des Kreisverbandes am LRA Coburg möglich.