obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte November 2015

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    ||02|| Bäume und Sträucher gekonnt verpflanzen














 

(TN) Die Hauptarbeiten im Garten sind nun getan. Noch bleibt Zeit, das eine oder andere vielleicht schon länger aufgeschobene Projekt anzugehen. Wer aktiv etwas gegen den „Winterblues“ tun möchte, ist mit dem Verpflanzen von kleineren Bäumen oder Sträuchern gut beraten.

Nicht immer entpuppt sich der Standort für einen Baum als ideal, oder Baumaßnahmen, der Nachbar, bzw. eigene Umplanungen machen es erforderlich, entweder das Gehölz zu fällen oder zu verpflanzen. Mit guter Technik und „manpower“ gelingt das Projekt. Ein Stechballen hilft dabei, Wurzeln und Erde zusammenzuhalten. Bis zu 5 Jahre Standzeit lassen sich in der Regel noch bewältigen.  Eine starre Regel gibt es hierbei jedoch nicht. Bis zu einem Stammumfang von ca. 16-18 cm bzw. max. 18-20 cm (gemessen in 1m Höhe) gelingt es meist noch recht gut.

Ballen stechen, die auch gut zusammen halten, gelingt vor allem dann zufriedenstellend, wenn der Boden etwas lehmig, feucht und relativ steinfrei ist.

Als Gerätschaften benötigt man zumindest einen stabilen Spaten, eine Wiedhopfhaue oder andere stabile schmalere (Pflanz)hacken als Ergänzung. Zum Anpassen, sprich vorsichtigen Reduzieren der Krone, liefern eine gute Gartenschere und eine scharfe Astsäge dankbare Dienste. Ein Jutegewebe oder Balliertuch (kann man event. aus einer  Baumschule besorgen) hilft beim Zusammenbinden des Ballens. Balliertücher gibt es z. B. in den Größen 60x60, 80x80 oder 120x120 cm bzw. als Rollenware.

Generell ist es so, dass der Wurzelverlust durch eine maßvolle Anpassung der Krone ausgeglichen werden muss, um das vorher funktionierende Gleichgewicht zwischen Wassernachlieferung (Wurzel) und Wasserverdunstung (Blätter) wieder herzustellen.
Methoden einen Ballen zu stechen, gibt es verschiedene.

Nachfolgend eine aus 9 Arbeitsschritten bestehende Variante.

Step 1:
Als Vorarbeit kann es bei  Hochstämmen event. erforderlich sein, Stockausschläge zu entfernen, Zweige von Nachbarsträuchern zurückzuschneiden oder zusammen zu binden.

Step 2:
Mit dem Spaten wird zunächst ausgehend vom Stamm ganz flach nach außen die Erde beiseite geschoben. In der Regel sind 2 Längen der Spatenklinge beim Formieren des Ballens noch machbar. (Nie gleich senkrecht nach unten stechen!)

Step 3:
Mit einem schräg nach unten gerichteten leichten Abstechen wird die Außenkante des Ballens gleichmäßig rund markiert und etwas vorgeformt. Im nächsten Schritt wird noch soviel Erde beseitigt, wie man ohne Stechen „aus der Hüfte“ entfernen kann. Flach verlaufende Wurzeln werden am besten mit einer Schere sauber durchtrennt.

Step 4:
Der leicht vorgeformte Ballen erhält nun durch Abstechen mit dem Spaten einen senkrecht verlaufenen Graben. Die Tiefe des Grabens kann je nach Bodenbeschaffenheit, und erwünschter Ballengröße einen Spatenstich oder auch mehr betragen. Eine Wiedehopfhaue hilft dabei, den Graben zu vertiefen, Wurzeln zu  durchtrennen und das gelockerte Erdmaterial aus dem Graben zu transportieren.

Step 5:
Schräg nach innen zur Stammverlängerung verlaufende kraftvolle Stiche im Abstand einer knappen Spatenbreite durchtrennen die nach unten verlaufenden Haltewurzeln und lösen den Ballen. Bei Bedarf, geht man mehrmals im Kreis um den Ballen herum und führt die Stiche durch. Dies ist meist der schwierigste Teil. Ein vorsichtiges beiseite Biegen des Stamm hilft beim Überprüfen, ob auch alle Wurzeln  durchtrennt ist. Ist dies noch nicht der Fall, muss geduldig der Rest der Wurzeln durchtrennt werden. Rüttelt man zu viel und ungeduldig am Stamm, bricht der Ballen oft schnell auseinander und die Arbeit war mehr oder weniger umsonst.

Step  6:
Der gelockerte Ballen kann aus der Grube gehoben werden. Ist das Gewicht zu groß, hilft event. ein stabiles Brett, das man schräg in die Grube legt. Der Ballen lässt sich dann leichter hochziehen. Beschädigte, nicht sauber durchtrennte Wurzeln sollte man sauber mit der Gartenschere abschneiden.

Step 7:
Der Ballen wird in der Mitte des Ballentuches platziert. Die jeweils zwei gegenüber liegenden Enden werden zusammengeschlagen und verknotet.

Step 8:
Nun erfolgt eine dezente Anpassung der Krone. Im Idealfall bleibt nach dem Schnitt der Charakter des Baumes erhalten. Dies erreicht man z. B. durch geschicktes „Absetzen“ von stärkeren auf schwächere Astpartien.

Step 9:
Im neuen Pflanzloch sitzt der umgesetzte Baum lieber etwas höher, als zu tief, da sich die Erde im Laufe der Zeit merklich senkt.

Ballentuch aus Jute zerfällt sehr schnell. Es reicht daher aus, die beiden Knoten zu lösen und das Tuch etwas zur Seite zu klappen. Ein gründliches Angießen füllt die im Zuge des Verpflanzens entstandenen Hohlräume und sorgt für den notwendigen Kontakt des Erdreiches mit den Wurzeln. Ein Pfahl gewährleistet einen stabilen Stand ohne dass feine Wurzeln nach heftigen Windböen wieder abgerissen werden.