obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Mai 2015

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    ||01|| Der Meerrettich - scharf, arbeitsintensiv, aber super gesund











 

(TN) Obwohl der Meerrettich (Amoracia rusticana), der im Herbst frisch als Stange oder vorgerieben auf den Wochenmärkten angeboten wird,  schon im Mittelalter zu uns kam, ist er heute kaum noch in den Hausgärten zu finden. Noch vor 100 Jahren war der Meerrettich ein fester Bestandteil in fast jedem Garten.

Schuld am Verschwinden mögen der arbeitsintensive Anbau und die „tränenreiche“ Verarbeitung der auch „Rachenputzer“ genannten Wurzel sein. An der gesundheitlichen  Wertschätzung der scharfen Wurzel  hat sich jedoch nichts geändert. Auch heute noch gilt der Meerrettich als eine Art „natürliches Antibiotikum“, als Gemüse mit keimtötender Wirkung und wertvoller Begleiter auf dem Weg zur Gesundheit. Nicht umsonst war seine gesundheitsfördernde Wirkung schon im alten Ägypten bestens bekannt. Bei uns kommt der „meerech“, wie ihn Hildegard von Bingen nannte, seit dem 12. Jahrhundert in den Klostergärten vor.

Vom „Fechser“ zur erntereifen Wurzel
Der Meerrettich ist ausdauernd. Kalte Winter machen der rübenartigen, gelbbraunen Wurzel nichts aus. Lässt man ihn wachsen wie er will, bildet er an der Wurzel, auch Stange genannt, viele lange dünne Seitenwurzeln. Diese werden als Setzlinge für den Anbau im nächsten Jahr benötigt und im gut sortierten Fachhandel angeboten.

Am liebsten mag das gesunde Wurzelgemüse einen tiefgründigen, humosen Boden mit genügend Feuchte. Die Erde sollte leicht bearbeitbar sein. Ein halbschattiger Standort wird noch toleriert. Ziel des Anbaus sind möglichst glatte und gerade Stangen. Hierzu sind jedoch einige Arbeitsschritte notwendig, denn wild wächst er ganz anders.

Die für eine Neuanlage erforderlichen 30 bis 40 cm langen Fechser (ca. 6 – 8 mm dick) werden entweder im Herbst, meist aber im  April/Mai in die Erde gelegt. Im Herbst gewonnene Krenfechser können in einer einfachen Erdmiete bis zum Ende der Frostperiode eingeschlagen werden.

Steht kein junges Wurzelmaterial zur Verfügung, kann man als Start für die eigene Meerrettichkultur auch im Herbst einige erntereife Stangen auf dem Wochenmarkt  kaufen, frostfrei (event. in feuchtem Sand) einschlagen und dann im Frühjahr wie beschrieben pflanzen.

Fechser schräg einpflanzen
Am besten reibt man sie mit einem Tuch vor dem Einpflanzen ab, um noch anhaftende Nebenwurzel zu entfernen. Die jungen Wurzeln werden im Abstand von ca. 50 cm schräg in die Erde gebracht. Klassisch wird der Meerrettich mit dem Kopf in Richtung Sonnenaufgang gelegt. Das Kopfende ist dabei ca. 5 cm, das Wurzelende etwa 10 cm mit Erde bedeckt. Sehr hilfreich ist die Anlage kleiner, etwa 15 cm hoher Dämme, in deren Mitte man eine schmale Pflanzfurche mit 5 bis 10 cm  Tiefe  zum leichten Einlegen der Fechser zieht.

„Köpfen“
Nach dem Anwachsen schiebt die Pflanze am Kopf in der Regel mit mehreren Trieben aus der Erde. Diese müssen im Mai bis auf einen entfernt werden. Man spricht vom „Köpfen. Je nach Witterung wird dieser Arbeitsschritt mehrmals wiederholt.

Der wohl arbeitsreichste Schritt erfolgt im Juli/August, wenn jede Wurzel vorsichtig oben freigelegt wird, um auf einer Länge von etwa 25 cm die Seitenwurzeln allesamt zu entfernen. Die Wurzel kann dann auch noch mit einem Lappen glattgerieben werden, damit sich die erwünschte glatte Meerrettich Stange entwickeln kann. Im unteren Teil belässt man die zur Wasser- und Nährstoffversorgung notwendigen Wurzeln. Nach getaner Arbeit bringt man die Pflanze wieder in ihre alte Position und wässert mehrmals  gründlich. Trübes Wetter oder leichter Regen helfen der Pflanze die Prozedur besser zu überstehen. Der Spätsommer gilt allgemein als die Hauptwachstumsphase des Meerrettichs.  Eine Dammkultur, bei der zum Freilegen der oberen Wurzel die Erde einfach bei Seite gehackt wird, erleichtert diesen Arbeitsschritt.

Wurzel ernten
Wenn das Laub allmählich anfängt zu welken, kann die Ernte beginnen. Nach dem Roden der Wurzel entfernt man die Seitenwurzel und schlägt die Stange frostfrei ein. Dies geschieht je nach Witterung von Ende September bis Ende November. Ein Abdecken mit feuchtem Sand im kalten Keller hält die Wurzel bis zur weiteren Verarbeitung frisch. Die dünnen Seitenwurzeln kann man als Fechser für das kommende Jahr verwenden. Um oben und unten nicht zu verwechseln, kann man, wie bei Wurzelschnittlingen von Stauden üblich, das untere  Ende mit einem schrägen Schnitt markieren.

Fotos: Thomas Neder