obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Juli 2015

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    ||06|| Die Aprikose – lecker, edel aber sensibel





Am klimabegünstigten Wandspalier kann mit  etwas Glück der Aprikosenanbau auch bei  uns gelingen. Eine schützende Vliesauflage beugt Spätfrösten im Frühjahr bei Bedarf vor.
 

(TN) Der Anbau von Aprikosen – in Österreich klangvoll Marille genannt - gehört zu sicherlich zur „Königsdisziplin“ der Obstkultur im Hausgarten.
In diesem Jahr, das uns zum Glück vor gefährlichen Spätfrösten verschont hat, leuchten wieder zahlreiche herrlich orangerote Früchte an den Obstspalieren. Dass reiche Ernten  nicht alle Jahre gelingen, liegt auch an den zunehmenden Wetterkapriolen. Durch unerwartete Spätfröste erleiden angesetzte Blüten schnell Schaden. Auch ein immer öfter beobachtetes Auf und Ab  der Temperaturen während der Vegetationsruhe vertragen Aprikosen schlecht.

Wie der Pfirsich, die Nektarine, die Feige und die Mandel gehört das aus Zentralasien stammende,  Obstgehölz zu den wärmeliebenden Obstarten. Im Hindukusch wächst sie noch in Höhenlagen von 1000 m.  Ihre Frostempfindlichkeit  bedeutet aber bei uns in der Praxis einen möglichst geschützten Standort, wo die sensible Aprikose kalten Winde, Spätfrösten und Kaltluftstaus aus dem Weg gehen kann.

Kultiviert man am Hauspalier, ist es von Vorteil, bei drohenden Nachfrösten ein Vlies über das Spalier zu decken. Mit etwas handwerklichem Geschick lässt sich leicht eine abrollbare Vorrichtung für den Fall der Fälle am Gerüst anbringen.

Auch auf dem Balkon kann man durchaus mal einen Anbauversuch wagen. Dies kann mit einer kompakten Sorte wie Apricompact durchaus gelingen. Ein ausreichend großes Pflanzgefäß mit einer guten Containererde und ein regelmäßiges Gießen  gehören zum Gelingen dazu. Das Gute an Aprikosen ist, dass sie selbstfruchtbar sind. Eine zweite Sorte erhöht allerdings die Aussicht auf eine noch reichere Ernte.
Die Baumreife ist erreicht, wenn die Aprikose ihren typisch edlen Duft verströmt. Wer es lieber etwas „bissfester“ mag, erntet am besten ca. 1 Woche vor der eigentlichen Reife, wenn die Früchte zwar schon sortentypisch ausgefärbt, aber noch nicht druckempfindlich sind.

Aktuelle Sorten sind z. B. die robuste Züchtungen Orangered, Kioto oder Harlayne, bzw. die festfleischige Sorte Bergeron oder Kuresia. Bis Mitte August reift die früher auch bei uns weit verbreitete Sorte Ungarische Beste. Mit besonders großen Früchte beeindruckt die Sorte Hargrand.
Wird die Aprikose geschnitten, sollte dies keinesfalls im Winter, sondern im Sommer nach der Ernte Juli/ August) erfolgen. Der Schnitt wird nicht so intensiv wie beim Pfirsich durchgeführt. Abgetragene Triebe können auf geeignete Seiten- oder Kurztriebe zurückgesetzt werden. Durch einen Sommerschnitt  senkt man das Risiko, dass Pilzkrankheiten in die Wunden eindringen und schnell zum Absterben ganzer Astpartien oder sogar des Baumes führen.
An der Hauswand erzieht man im Hobbyanbau die Aprikose in der Regel als pflegeleichte Fächerspaliere. Freistehend ist die Form einer lockeren Hohlkrone ohne Mitteltrieb und straußartig nach außen wachsenden Seitenästen interessant und sinnvoll.  Für beengte Standorte gibt es mittlerweile auch die Säulenform Campanilo. Wer auf Nummer sicher gehen will, pflanzt eher im Frühjahr.