obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Februar 2015

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    ||02|| Stauden durch Wurzelschnittlinge vermehren




 

(TN) Stauden durch Teilstücke von Wurzeln zu vermehren erscheint zunächst etwas befremdlich und ungewöhnlich. Eine Vermehrung durch Wurzelschnittlinge ist in Staudengärtnereien jedoch nichts Ungewöhnliches. Wurzelschnittlinge liefern identische Nachkommen zur Mutterpflanze und lassen sich im Spätwinter, wenn noch wenig Arbeit im Garten ansteht, schneiden. Das milde Winter und der sich einstellende „Winterblues“ laden momentan förmlich zum Experimentieren ein.
Die Methode der Wurzelschnittlinge  ist besonders interessant bei Stauden mit langen unverzweigten Pfahlwurzeln, die sich mit dem Spaten schlecht teilen lassen oder bei denen eine Aussaat sehr unterschiedliche Nachkommen liefert. Sie beruht auf der Fähigkeit vieler Staudenarten Sprossknospen aus unterirdischen Pflanzenteilen, sprich Wurzeln, zu bilden und sich neu zu regenerieren.

Bei folgenden Staudenarten kann ein erfolgsversprechender Vermehrungsversuch gestartet werden: Flockenblume, Kugeldistel, Kokardenblume, Sonnenbraut, Phlox, Primel, Rudbeckie, Schaublatt, und z.B. Königskerze.

Ist der Boden nicht gefroren, werden Teile der Mutterpflanze samt Wurzel großzügig mit einem Spaten ausgegraben, kräftig abgeschüttelt und die Wurzeln event. noch unter dem Wasserschlauch von der restlichen Erde befreit.

Ideal sind etwa bleistiftstarke Wurzeln, die einerseits ausgereift, aber noch nicht zu verholzt sein sollen. Nach dem Säubern werden die Wurzeln zunächst in weitere kleine Teilstücke von etwa 4-5 cm zerteilt. Um eine Verwechslung von oben und unten zu vermeiden, ist es sinnvoll, das untere Ende durch einen schrägen Schnitt zu markieren. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn die Wurzelteile schräg in das Vermehrungsgefäß (Aussaatschale, Balkonkasten, Topf etc.) gesetzt  werden. Umgekehrt eingepflanzte Wurzelstücke würden dann nämlich beim Neuaustrieb einen Bogen beschreiben müssen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass sich aus dem oberen Ende eines Wurzelstückes der Spross und aus dem unteren die Wurzel entwickelt.

In der Praxis funktioniert es aber auch, wenn die Wurzelschnittlinge waagerecht in das Vermehrungsgefäß gelegt und ca. 2  cm mit Erde bedeckt werden. Als Substrat eignet sich Aussaaterde,  mit Sand etwas abgemagerte Blumenerde oder das klassische Torf-Sand Gemisch. In den Vermehrungsgefäßen abgesteckt, werden die Pflanzen zunächst frostfrei gehalten, bevor man sie im Frühjahr an einem geschützten Standort im Freien bringt. Spätestens nach dem Durchtrieb brauchen die sich entwickelnden Jungpflanzen ausreichend Licht. Die kleinen Stauden werden nach dem Austrieb regelmäßig mit Wasser versorgt und können im Herbst nochmals getopft oder an Ort und Stelle neu aufgepflanzt werden. Will man kräftige Pflanzen erzielen, können auch mehrere Jungpflanzen zusammengesetzt werden.

Fotos: Thomas Neder