obst-und gartenbauverein 
Kreisverband Coburg
für Gartenbau und Landespflege e. V.
  

Presseberichte Februar 2015

zurück
 
    ||04|| „In der Kälte liegt die Kraft“ -  Stauden schon jetzt aussäen
Copyright T. Neder

Copyright T. Neder

Copyright T. Neder
 

Viele Sämereien können mit Frost und Kälte nichts anfangen. Bei Stauden ist dies anders. Bei Frost- und Spätkeimern gilt das Motto: In der Kälte liegt die Kraft. Trotz Schnee und Eis kann man Stauden bereits jetzt aussäen. Auch sog. Normalkeimer, die auf tiefe Temperaturen nicht angewiesen sind, können bereits jetzt in die Erde. Sie warten geduldig einfach auf wärmere Zeiten.

Das Sortiment der Stauden ist mittlerweile immens. Ebenso vielfältig sind auch die Möglichkeiten, wie man die mehrjährigen staudigen Pflanzen erfolgreich vermehren kann.

Arten und Sorten, die sortenrein fallen können generativ (d. h. über Samen) vermehrt werden. Aber auch Sorten, die aufspalten, die sich also durch Neukombination der Gene teils erheblich von der Mutterpflanze unterscheiden, können für den experimentierfreudigen Gärtner interessant sein, wenn er selbst neue Sorten züchten will.

Der Spätwinter ist eine gute Zeit, Stauden auszusäen.

D ie Samen kauft man entweder in der Samenhandlung oder erntet die Samen direkt nach der Samenreife. Nach dem Reinigen, das z. B. mit einem Stapelsieb leicht gelingt, werden die Samen kühl (bei etwa 5oC) und trocken in einem beschrifteten Papierumschlag aufbewahrt. Man gibt ihn am besten noch in einen luftdichten Plastikbehälter. Entscheidend für ein gutes Ergebnis ist keimfähiges Saatgut, nährstoffarme Aussaaterde, passende Aussaatgefäße, die richtige Aussaatzeit und in Sonderfällen eine spezielle Behandlung des Saatgutes. Die Arbeitsschritte untergliedern sich in Aussaat, Pikieren, Topfen, Auspflanzen.

Für die Aussaat eignen sich saubere Kunststofftöpfe (ca. 9-13cm Durchmesser), Aussaatschalen oder Multitopfplatten. Im letzteren Fall werden die Keimlinge beim späteren Pikieren (Vereinzeln) nicht gestört und können zügig weiter wachsen.

Wer es sich einfach machen will, kauft Aussaaterde. Eigene Aussaatmischungen können bestehen aus: 2 Teilen sterilisierter Erde, 2 Teilen Torf oder Torfersatz, bzw. Lauberde und einem Teil feinem Sand.

Die Aussaatbehälter füllt man bündig mit angefeuchteter Aussaaterde und verdichtet sie leicht, so dass die Erde nun etwa 1 cm unter der Kante liegt. Die Samen sät man anschließend dünn und gleichmäßig aus. Gute Dienste leistet ein gefaltetes Blatt Papier. Ganze feine Samen, wie man sie von Glockenblumen kennt, kann man auch mit Sand mischen. Eine hauchdünne Schicht gesiebter Erde bildet den Abschluss. Alternativ eignen sich dünn darüber gestreuter Sand oder auch eine dünne Schicht aus fein gekörntem Vermiculit. Sand und Vermiculit vermindern den Befall mit Keimlingskrankheiten.

In der Regel sät man im Spätwinter aus. Aber auch schon im Spätherbst kann ausgesät werden. Man stellt die Aussaatgefäße an einem regengeschützten Platz im Freien z. B. in einem kalten Kasten auf. Aufgelegter Draht schützt vor scharrenden Katzen und Vögeln. Profis gehen bei der Aussaat sehr differenziert vor. Im Hausgarten muss man realistischer Weise vereinfachen. Durch Aussaaten vom Spätherbst bis in den Spätwinter erzielt man bei einer ganzen Reihe von Stauden gute Ergebnisse. Liegt Schnee, kann man die Aussaaten auch hiermit abdecken. Sog. Normalkeimer warten mit dem Keimen bis zum Frühjahr und die etwas problematischen Kaltkeimer bekommen in der Regel durch diese frühe Aussaat die zur Überwindung der Keimruhe notwendige Summe an tiefen Temperaturen.

Zu den problemlosen Normalkeimern gehören z.B. Salbei (Salvia sp.), Brennende Liebe (Lychnis chalcedonica), Feinstrahl (Erigeron sp.), Blaukissen (Aubrieta sp.), Steinkraut (Alyssum sp.).

Zu den Kaltkeimern gehören z.B. viele Enzian- (Gentiana sp.) und Primelarten (Primula sp.), Mannsschild (Androsace sp.), Becherwurz (Cotyledon sp.), Küchenschelle (Pulsatilla sp.).

Werden  Kaltkeimer erst im Frühling ausgesät, kann dies aber Probleme bereiten, da die sog. Keimhemmung noch nicht aufgehoben ist. Hier bietet sich folgende Variante an: Man stellt die Aussaaten erst 2-4 Wochen warm bei +18 bis +22 Grad auf und setzt sie dann 4-6 Wochen einer Temperatur von -4 bis +4 Grad aus. Dies erreicht man z. B. in einem ausrangierten Kühlschrank. 

Nach der Keimung, wenn die Pflanzen zwei gut ausgebildete Keimblätter haben und  ca. 1,5 bis 3 cm groß sind, wird die Kinderstube zu eng. Die jungen Pflanzen müssen dann pikiert (vereinzelt) werden. Polsterstauden wie Steinkraut, Blaukissen, Schleifenblume pikiert man am besten in kleinen Tuffs von mehreren Sämlingen. Solitärstauden wie Rittersporn, kann man auch einzeln pikieren. Eine Multitopfplatte mit ausreichend großen Segmenten ist hierfür bestens geeignet. Hier lassen sich die Pflanzen nach dem Durchwurzeln spielend leicht herausnehmen, ohne dass die Wurzeln beschädigt werden. Das Substrat sollte nährstoffreicher sein, denn die Jungpflanzen sollen nun zügig heran wachsen. In der Regel kann man bei den meisten Stauden nach ca. 6-8 Wochen die Pflanzen in kleine Töpfchen setzen.

Fotos: Thomas Neder